Corona bringt die Welt ins Wanken. Wir haben Unternehmer, Selbstständige und Führungskräfte in unserem Umfeld befragt, wie sie die Krise erlebt haben. In diesem Beitrag sprechen wir mit Peter Konrad, der das Personalmanagement bei Magna Powertrain Österreich verantwortet. Peter Konrad erzählt uns über den Krisenmodus, in dem er die Zeit des Lockdowns erlebt hat und den er auch als „echtes“ Assessment-Center für das Top-Management bezeichnet. Außerdem gibt er Tipps zum Be- und Entschleunigen und verrät, ob Corona aus seiner Sicht tatsächlich eine Veränderung in der Gesellschaft bewirkt.

 

Wie hast du den Corona-Lockdown in deinem Umfeld als Personalmanager erlebt? Was waren die besonderen Herausforderungen?

Peter Konrad: In Vorfeld zum Lockdown wurde die „Krisen-Organisation“ aufgestellt. Krisenstäbe fanden täglich statt. Im Wesentlichen ging es darum, als Unternehmen handlungsfähig zu bleiben und vor allem auch der Belegschaft Handlungsfähigkeit und Sicherheit zu vermitteln.

Als die Krise Mitte März Österreich voll erfasst hat, kam es zu einer großen Unsicherheit in der Belegschaft, da von Seiten der Regierung eine eher missverständliche Kommunikation den Rahmen nicht klar gesetzt hat. Es stellte sich die Frage: „Darf ich überhaupt zur Arbeit kommen?“

Eine besondere Herausforderung war es, Home-Office für 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter binnen weniger Tage zu organisieren. Es musste geklärt werden, für wen ein Home-Office möglich war und für wen nicht und die dazugehörige IT-Infrastruktur musste sichergestellt werden. Für den Bereich der Produktion – da ist kein Home-Office möglich – mussten rasch Verhaltensregeln definiert werden. Daneben galt es, die Maßnahme der Kurzarbeit zu integrieren und auf Basis von instabilen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu organisieren.

Was hat sich aus der Situation des Lockdowns als besonders positiv herauskristallisiert bzw. gab es positive Entwicklungen/Learnings beruflich und privat?

In meinem beruflichen Umfeld hat es mich beeindruckt, wie „krisenfest“ unsere Organisation ist. Es hat sich gezeigt, dass in den Schlüsselfunktionen die richtigen Leute beschäftigt sind. In der Krise kommen die Stärken und Schwächen der Menschen zum Vorschein. Wenn man so will, dann war der März ein Assessment-Center für das Top-Management, nur war eben „alles echt“. Die Krise ist ja leider noch nicht vorbei, aber mittlerweile hat die „neue Normalität“ und mit dieser eine gewisse Stabilität Einzug gehalten.

In meinem privaten Umfeld sehe ich die Toleranz und das Verständnis meiner Frau als ganz besonders an. Für einen Personalmanager gab es kein „Privatleben“ in der Corona-Zeit – Arbeit von morgens bis abends, Wochenende inklusive. Last but not least sehe ich als positive Entwicklung auch meine Toleranz, wenn ich Freunde treffe – mittlerweile geht das ja zum Glück wieder – und die zu mir meinen: Wenigstens hatten wir in der Lockdown- und Kurzarbeitsphase viel Zeit für die Familie 😉.

Viele Menschen haben die Zeit zur Innenschau genutzt und verändern sich beruflich gerade. Hast du das auch in irgendeiner Form in deinem Umfeld erfahren? 

Diesbezüglich habe ich viele spannende Gespräche erlebt, wobei es weniger um berufliche, sondern mehr um gesamte „Lebensstil-Veränderungen“ ging. Allerdings erlebe ich auch, wie schnell diverse Vorhaben wieder verblassen, wenn der Alltag einigermaßen zurückgekehrt ist.
Für mich selbst konnte ich auch wichtige Erkenntnisse gewinnen. Jetzt geht es darum, klare Ziele zu definieren und den erforderlichen Weg diszipliniert Schritt für Schritt zu gehen – einige wenige werden das machen und dann auch erfolgreich sein. An die große Veränderung der Gesellschaft durch „Corona“ glaube ich nicht.

Beschleunigungs-Tipp von Peter Konrad

Was ist ein Tipp aus deiner Expertise heraus, den du mitgeben kannst, um wieder motiviert an das unternehmerische Tun im eigenen Betrieb heranzugehen und in Zukunft krisenfitter zu sein bzw. was wendest du an? 

Für mich war eine wichtige Erkenntnis in der Krise: „Reduktion auf das Wesentliche“. Was ist essenziell für meinen Erfolg und was ist letztlich unnötiger Ballast. Es gilt einen Fokus auf die wichtigsten Kundengruppen und Dienstleistungen zu setzen und hier an der Effizienz zu arbeiten, damit man Puffer für das „nicht planbare“ hat. Anders ausgedrückt: Viele Menschen und Organisationen sind mit einem zu schweren Rucksack unterwegs. Es sollte immer wieder mal hinterfragt werden, was es wirklich braucht, um dann die Reise „mit leichtem Gepäck“ fortzusetzen.


Entschleunigungs-Tipp von Peter Konrad

Andere hat die Zeit des Lockdowns an die Grenze ihrer Belastbarkeit gebracht. Gibt es einen Tipp, den du mitgeben kannst und den du vielleicht auch selbst während und nach stressigen Tagen verwendest, um ganz schnell zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen?

Ich persönlich komme am besten mit Sport zur Ruhe und hier ganz speziell mit Laufen. Da gelingt das Abschalten am schnellsten und eine kleine Laufrunde ist auch in stressigen Zeiten unterzubringen.