Corona bringt die Welt ins Wanken. Wir haben Unternehmer, Selbstständige und Führungskräfte in unserem Umfeld befragt, wie sie die Krise erlebt haben. Im Interview sprechen wir mit Wolfgang Schober, Chefredakteur von Spirit of Styria.

Wolfgang Schober erzählt, wie er die Zeiten des Shutdowns sowohl beruflich als auch privat erlebt hat. Außerdem appelliert er an die Medienlandschaft Zuversicht zu schüren und neben Covid-19 auch anderen wichtigen Themen einen Platz einzuräumen. Freuen Sie sich auf Antworten voll positivem Esprit und Ent- und Beschleunigungstipps, die man sofort umsetzen möchte.  

 

Stichwort Corona: Wie hast du die Zeit als Chefredakteur erlebt? 

Der Shutdown traf auch unser Magazin hart und unvermittelt – zudem mitten in den Vorbereitungen für unsere April-Ausgabe. Es hagelte plötzlich Absagen für Interviews, auch die Finanzierung gestaltete sich schwierig. Daher entschlossen wir uns ebenfalls zum Lockdown in Form einer Magazinpause – und haben die April-Ausgabe kurzfristig ausgelassen. Glücklicherweise konnten wir die Zwangspause auf ein Monat beschränken und sind danach gleich wieder voll durchgestartet. Das heißt, es ging erst von hundert auf Null, aber dann ebenso rasch wieder von Null auf hundert.

Was waren die besonderen Herausforderungen beruflich, privat bzw. allgemein? 

Beruflich war die größte Herausforderung – wie wohl bei vielen – die große Unsicherheit, die mit dem Lockdown einherging. Vor allem die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind ja bis heute nicht abschätzbar. Bislang sind dank des Maßnahmenpakets der Bundesregierung, vor allem dank der Kurzarbeit, größere Erschütterungen ausgeblieben. Es bleibt zu hoffen, dass der „Flatten the Curve“-Anspruch aus der Frühphase auch beim Flachhalten der Insolvenzkurve in den nächsten Monaten gelingt. Eine taumelnde Wirtschaft würde naturgemäß auch an einem Wirtschaftsmagazin nicht spurlos vorübergehen. Privat waren die Herausforderungen im Lockdown-Homeoffice für mich friktionsfrei und – mangels Mitbewohner in meinen vier Wänden – auch absolut konfliktfrei;-)

Was hat sich aus der Situation des Lockdowns dennoch als besonders positiv herauskristallisiert bzw. gab es positive Entwicklungen beruflich und privat? 

Die Pausetaste für das Print-Magazin bedeutete nicht, dass das Medium vollkommen ruhte. Nach der ersten Schockstarre beschlossen wir, das Magazin auf digitalem Weg weiter zu betreiben und haben kurzerhand „SPIRIT Online“ aus dem virtuellen Boden gestampft. Ein Kanal, den wir in dieser Zeit intensiv bespielten und den wir auch in Zukunft weiter nutzen werden – jedenfalls eine positive Begleiterscheinung der Malaise und quasi ein Kollateralnutzen der Krise. Privat war ich auf mehreren Ebenen erfolgreich. Ich schärfte während der Shutdowns meinen grünen Daumen als Balkon-Gärtner – Paradeiser und Zucchini sprießen gerade prächtig – und ich habe endlich den Geist von Marie Kondo aktiviert und mit Entrümpelungsspirit durch die Wohnung fegen lassen. Auch das Verhältnis zu meinen Nachbarn hat sich positiv verändert – vor allem das zu einer älteren Bewohnerin über mir, für die ich in der Quarantänezeit regelmäßig einkaufen ging. Daraus entstand eine herzliche Bekanntschaft, die auch in „Normalzeiten“ anhält.


Beschleunigungs-Tipp: Viele Medienunternehmen stehen finanziell gerade vor einer brenzligen Situation. Was ist ein Tipp, den du mitgeben kannst bzw. den du selbst einsetzt, um gerade jetzt gut und motiviert vorwärts zu gehen?

Medienunternehmen spiegeln die allgemeine wirtschaftliche Lage wider. Quasi: Geht’s der Wirtschaft schlecht, kann’s auch Medien nicht gut gehen. Eine Schicksalsgemeinschaft. Gleichzeitig erfüllen Medien eine wichtige psychologische Verstärkungsfunktion für die Stimmung in der Bevölkerung. Damit liegt es teilweise auch an uns, wie rasch wir aus dem Tal der Tränen kommen. Zuversicht zu verströmen, ohne Dinge schönzufärben – das wird die schwierige Balance für Politik und Medien in den nächsten Monaten, vielleicht sogar Jahren. Diesen grundsätzlich positiven Geist wünsche ich allen Medienschaffenden. Ganz im Sinne von Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Und noch ein (frommer) Wunsch: Ich würde mir von Medien weltweit mehr Verhältnismäßigkeit in der Berichterstattung über Covid-19 wünschen. Das Thema ist absolut wichtig und ernst zu nehmen, aber es gibt auch andere globale Entwicklungen, die für Gesellschaft und Gesundheit der Menschen auf dem Planeten eine enorme Bedeutung haben, allen voran der Klimawandel, der derzeit in der Covid-Nachrichtenflut viel zu kurz kommt. Die Corona-Krise ist eine globale Herausforderung. Gemeinsame, internationale Anstrengungen zur Lösung könnten zum Testfall für die solidarischen Rettung des klimaerkrankten und zunehmend fiebergeplagten Planeten werden. Dafür braucht es Bewusstsein und Aufklärung, die Medien auf der ganzen Welt leisten sollten.


Entschleunigungs-Tipp: Andere hat die Zeit des Lockdowns oder die Zeit danach an die Grenze ihrer Belastbarkeit gebracht. Gibt es einen Tipp, den du mitgeben kannst und den du vielleicht auch selbst während und nach stressigen Redaktionsschluss-Tagen verwendest, um ganz schnell zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen?

Bei mir sind’s drei Dinge, die zum Glück fast immer funktionieren:

1. Laufen! Banal, aber effektiv!

2. Garteln! Erdet buchstäblich, auch wenn es nur ein bissl Kräuter zupfen am Balkon ist.

3. Freddie Mercury/Queen hören! Die beste Musik vom besten Sänger und der besten Band öffnen ein anderes Universum, in der alles Irdisches augenblicklich verzwergt;-).

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