Steuerberater helfen ihren Klienten beim Steuersparen. So das gängige Bild dieses hoch komplexen Berufes. In Wirklichkeit geht es um das gesamte Rechnungswesen und um schnelle und richtige Reaktionen – gerade in Zeiten wie diesen.

Seit über einem Jahr ist Mag. Doris Wagner, Geschäftsführerin der SW-Steuerberatung in Graz,  extrem gefordert. Sie und ihr Team werden regelmäßig von Anfragen von Klienten bombardiert. „Nach jeder Pressekonferenz zu Corona-Hilfen läutet bei uns das Telefon pausenlos“, erzählt sie. „Klientinnen und Klienten wollen konkrete Informationen und möglichst sofort Anträge für Unterstützungsleistungen stellen. Zu einem Zeitpunkt, wo wir auch nur gerade das wissen, was gerade über die Medien kommuniziert wurde.“ Also heißt es schnell reagieren, informieren, Klientinnen und Klienten kontaktieren, so rasch wie möglich korrekte Anträge verfassen. Und das für alle Interessierten nahezu gleichzeitig. „Dazu ist es aber notwendig, die betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten der jeweiligen Unternehmen genau zu kennen. Das ist extrem wichtig für korrekte Ansuchen. Welche Umsatzrückgänge sind zum Beispiel Corona-bedingt? Wie werden Umsatzrückgänge korrekt berechnet? Wie ist die Beschäftigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geregelt, etwa bei der Kurzarbeit? Wir als Steuerberater unterliegen auch einem Haftungsrisiko bei diesen Anträgen für Unterstützungsleistungen, genauso wie unsere Klienten. Hier darf also wirklich nichts schiefgehen“, stellt Doris Wagner fest.

Es ist notwendig, die betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten des Unternehmens genau zu kennen. 

Und damit sind wir mitten im Berufsbild des Steuerberaters. Hier geht es nicht in erster Linie um Auffinden von Steuerschlupflöchern, sondern um das betriebswirtschaftlich optimale und steuerschonende Agieren für die Klientinnen und Klienten im Rahmen der bestehenden Normen und Gesetze, wie Doris Wagner es ausdrückt. Steuerberatung ist eine komplexe Dienstleistung. Hier ist man Partner der Unternehmen und unterstützt sie im gesamten Rechnungswesen, oder übernimmt es sogar ganz. Personalverrechnung, Buchhaltung, Jahresabschlusserstellung und die Einreichung von Steuererklärungen – das alles gehört dazu.

Kreativität und Expertise

Für Doris Wagner ist der Beruf des Steuerberaters ein kreativer Job: „Hier muss man sich in die Situation des Klienten hineindenken und dessen Bedürfnisse innerhalb bestehender Normen und Gesetze umlegen können.“ Also Individualität in Gesetze gepresst. Und das quer durch alle Branchen und Rechtsformen. Kein Wunder also, dass die Anforderungen an künftige Steuerberaterinnen und Steuerberater hoch sind. „Es ist ein freier Beruf mit hohen Anforderungen, vergleichbar mit einem Notar oder Arzt“, erklärt Doris Wagner. Gefordert werden ein Hochschulstudium im Bereich Wirtschaft beziehungsweise Recht. Die spezifische Fachausbildung erfolgt dann durch die Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und die verpflichtende Berufspraxis. Es sind vier schriftliche Prüfungen im Ausmaß von 15 Stunden und eine mündliche Prüfung zu absolvieren. Erst nach der Angelobung darf man als Steuerberater „praktizieren“. Mitzubringen sind eine gewisse Zahlenaffinität, Logik, Freude am Umgang mit Klienten, Flexibilität in jeder Beziehung,

Als Steuerberaterin bekommt man extrem viel Einblick in die Unternehmen und die Menschen, die dahinter stehen. 

Bereitschaft zur permanenten Weiterbildung und viel Lust auf Neues. Steuerberatung ist eine Arbeit mit viel Verantwortung, Disziplin und Druck, aber auch einer Menge schöner Seiten, wie Doris Wagner betont: „Man bekommt extrem viel Einblick in die Unternehmen und die Menschen, die dahinter stehen. Hier lernt man faszinierende Persönlichkeiten kennen. Schön ist auch die Dankbarkeit der Klienten für Hilfe in schwierigen Situationen.“ Was gerade in Zeiten wie diesen häufig der Fall sein dürfte.

Aufgabe mit Zukunft

Was auch klar ist: dieser Job ist krisensicher. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden von den Steuerberatungskanzleien im ganzen Land gesucht. Natürlich übernimmt auch in diesem Bereich die Digitalisierung viele Routinearbeiten. Trotzdem sieht Doris Wagner diese nicht als Jobkiller, sondern durchaus auch positiv. So bleibt mehr Zeit für höher qualifizierte Aufgaben und natürlich für die Klientinnen und Klienten. „Außerdem ist das Steuerrecht so komplex und ändert sich ständig. Da ist es schwer mit dem Programmieren des Algorithmus nachzukommen und eine persönliche Kontrolle und Plausibilitätsprüfung nicht wegzudenken“, schmunzelt sie. Für sie ist klar: nicht nur, aber vor allem in der Krise müssen Unternehmen ihre Zahlen im Griff haben. Dafür sorgen die Steuerberaterinnen und Steuerberater im Land. Sie sind so etwas wie die Krisenmanager für die heimische Wirtschaft. Auch und gerade für Unternehmen, die sich keine großen eigenen Rechnungswesen-Abteilungen leisten können oder wollen. Deshalb wird dieser Berufsstand in Zukunft wohl immer wichtiger sein und ist an der Seite der Unternehmen nicht mehr weg zu denken.

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