Corona bringt die Welt ins Wanken. Wir haben Unternehmer, Selbstständige und Führungskräfte in unserem Umfeld befragt, wie sie den Lockdown erlebt haben. Gerhard Maier, Inhaber von PRIMAWERA, begleitet als Coach Unternehmer und Führungskräfte bei Veränderungsprozessen. Wie er die Zeit erlebt hat und warum er gerade jetzt intensiv mit Unternehmen und Menschen an die Arbeit gehen kann, erzählt er im Interview.

 

Wie hast du den Corona-Lockdown in deinem Umfeld erlebt?

Gerhard Maier: Die Zeit war – wie für die meisten – höchst außergewöhnlich und hatte auch durchaus positive Seiten. Der tägliche Ablauf hat sich beruflich und privat komplett verändert. Ich war im März und April dieses Jahres soviel zu Hause, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dadurch hatte ich Zeit für mich, meine Kinder und den Garten. Ich habe viele Wanderungen gemacht und habe die Zeit bewusst auch für Reflexion genutzt.

Was waren die besonderen Herausforderungen im beruflichen Umfeld als Coach?

Die Herausforderung war, trotz des kurzfristigen Umsatzverlustes – am Anfang gab es doch Einbußen von über 80 % (!), die ich als Unternehmer tragen musste – den Kopf frei zu kriegen und die Zeit produktiv zu nutzen. Es begann mit einer Umstellung auf Videocalls und e-learning, was aus meiner Sicht im Einzelsetting und für Kleingruppen durchaus produktiv und hilfreich für Kundinnen war, gerade in dieser herausfordernden Zeit. Für Großgruppen stellten sich diese Methoden durchaus herausfordernd und lehrreich dar.

Welche positiven Entwicklungen gab es?

Die Zeit brachte neue Impulse und Ideen – nicht nur beruflich, sondern auch privat. Ich habe in dieser Zeit unterschiedliche Methoden miteinander verknüpft und Chancen sowie Möglichkeiten erprobt und deren Grenzen erfahren dürfen. Bei meinen Kundinnen und Kunden sind spannende Lernprozesse ermöglicht worden.

Viele Menschen haben die Zeit zur Innenschau genutzt und verändern sich gerade. Inwieweit merkst du das auch in deinem Umfeld als Coach?

Ja, da gibt es eine starke Tendenz in diese Richtung. Als Coach habe ich die Möglichkeit, in der Reflexions- und Entwicklungsarbeit mit meinen Kundinnen und Kunden jetzt genau dort zu arbeiten. Es geht darum, die gewonnenen Impulse zu sortieren und zu nutzen. Das bietet die Chance für tiefgreifende Veränderung – persönlich, wirtschaftlich und ökologisch. Es verändert den Blickwinkel und führt zur Frage, was Wachstum eigentlich heißt. Gesundes Wachstum hat eine hohe Qualität. Was heißt nachhaltig wirtschaften und ethisch konsumieren?


Beschleunigungs-Tipp von Gerhard Maier, um das eigene Unternehmen krisenfit aufzustellen:

Aus meiner Sicht geht es darum – ohne Selbstvorwürfe – an der eigenen „Antifragilität“ zu arbeiten. Wie kann ich Unvorhergesehenes für das eigene Unternehmen nutzen? Wie kann ich mich und mein Unternehmen so aufstellen, dass jede Veränderung auch konkrete Chancen birgt, nämlich für meine persönliche Entwicklung und für die Entwicklung meines Unternehmens?

Außerdem geht es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen und den gern verdrängten Themen, wie Tod und Scheitern.


Entschleunigungs-Tipp von Gerhard Maier, um nach stressigen Tagen gut zu Ruhe zu kommen:

Ein Schlüsselwort ist Hingabe dh sich voll auf Menschen, Themen und Tätigkeiten einlassen; nichts Planen, sondern das Tun zulassen und dadurch in den Flow kommen. Und ein Vertrauen darauf, dass sich die wirklich wichtigen Themen zum geeigneten Zeitpunkt (wieder) zeigen, um sie dann zu lösen.

 

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