Corona brachte die Welt ins Wanken. Wir haben Unternehmer, Selbstständige und Führungskräfte in unserem Umfeld befragt, wie sie die Krise erlebt haben. Martina Sattler, Marketing- und PR-Beraterin und Inhaberin von MMPR e.U., erzählt über die besonderen Entwicklungen, die sich zur Zeit von Corona bei ihr ergeben haben und welche Chancen sie durch die Krise für Unternehmer*Innen und deren Mitarbeitenden sieht. Ihre persönlichen Entschleunigungstipps für stressige Zeiten dürfen natürlich auch nicht fehlen. 

 

Stichwort Corona: Wie hast du die Zeit in deinem Umfeld als Unternehmensberaterin erlebt? Was waren die besonderen Herausforderungen beruflich und privat?

Martina Sattler: Die Zeit, wo Corona plötzlich weltweit ein Thema wurde, begann auch bei mir mit einer Zeit, wo sich mein Leben grundlegend änderte – nicht unbedingt beruflich, aber privat. Der Geburtstermin meines Sohnes stand gemeinsam mit dem Osterwochenende im Kalender. Beruflich veränderte sich deswegen nicht viel, weil die Branchen meiner Kunden Resilienz gegen die Corona Pandemie bewiesen. Da ging es eher darum, meine interne Organisation dem neuen Lebensabschnitt und natürlich der Pandemie anzupassen. Mein Sohn kam dann genau ein Wochenende nach Ostern zur Welt.   

Was hat sich aus der Situation des Lockdowns als besonders positiv herauskristallisiert bzw. gab es positive Entwicklungen/Learnings beruflich und privat? 

Positiv war, dass wir genug Zeit hatten das Baby in unserer Mitte willkommen zu heißen, ohne viel Getümmel durch Familie und Freunde. Das war qualitativ unglaublich werthaltig. Schon im Krankenhaus hatten wir aufgrund des Besuchsverbots diesbezüglich eine ruhige Zeit. Des Weiteren stellte sich als besonders positiv heraus, dass es vor allem aufgrund der Corona Maßnahmen möglich war, uns innerhalb unserer Dreisamkeit so gut zu organisieren, dass ich meine berufliche Tätigkeit weniger als gedacht einschränken musste, ohne auf viel Zeit mit meinem Sohn zu verzichten.

Viele Menschen haben die Zeit zur Innenschau genutzt und verändern sich gerade. Merkt man das auch im Umfeld der Unternehmen?

Auf jeden Fall. Einige Menschen in meinem Beratungsumfeld konnten entscheidende Veränderungen vornehmen. Das liegt immer am individuellen Grad der Weiterentwicklung. Eine Krise zwingt uns quasi dazu endlich hinzuschauen. Unternehmen und Mitarbeiter entwickeln sich immer parallel. Für die Unternehmen brachten und bringen die enormen Herausforderungen ebenso große Chancen, um das eigene Geschäft auf die nächste Ebene zu heben.

Corona hat mit Kurzarbeit & Co Mitarbeiter und Unternehmen finanziell mit einer brenzligen Situation konfrontiert. Was ist ein Tipp aus deiner Expertise heraus, den du mitgeben kannst, um wieder motiviert an das unternehmerische Tun im eigenen Betrieb heranzugehen und in Zukunft krisenfitter zu sein? 

Ich denke, die Zwangspause hat uns auf die Fragilität unseres Systems aufmerksam gemacht dh wir durften erkennen, was Priorität hat und was nicht – und das in allen Bereichen. Mit diesem neuen Wissen, das wir uns aneignen durften, konnten wir einen Blick auf die Dinge bekommen, der uns sonst verwehrt bleibt. Alleine das kann Motivation sein, um das eigene Unternehmen jetzt umzustrukturieren oder Geschäftsfelder neu zu entwickeln. Einem Unternehmer darf es ohnedies nie fad werden und jetzt gibt es genug neue Betätigungsfelder. Vielleicht wird der eine oder andere dadurch auch mutiger und mehr ausprobieren. Wir haben erlebt, wie sich plötzlich Tor und Tür für die Mainstream-Digitalisierung öffnet. Nutzen wir diese Dynamik bei der Weiterentwicklung der Unternehmen und der Mitarbeiter. 

 

Andere hat die Zeit des Lockdowns an die Grenze ihrer Belastbarkeit gebracht. Gibt es einen Tipp, den du mitgeben kannst und den du vielleicht auch selbst während und nach stressigen Tagen verwendest, um ganz schnell zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen?

Ich meditiere täglich. Diese Routine der inneren Stille ist mein Motor und Antrieb. Wenn es im Außen plötzlich zu Stress und Ausnahmesituationen kommt, ist die wesentliche Einsicht für mich, dass ich „nur“ mich selbst verändern muss und niemanden sonst. Das nimmt schon mal viel Stress weg und bringt mich zu mir zurück. Wenn ich einen Tag mit viel Stress und Unruhe hatte, dann gehe ich zur Meditation immer in den Wald – egal zu welcher Uhrzeit. Der Wald wirkt so heilsam auf unseren gesamten Organismus. Mehr brauche ich nicht. Und wenn ich dann meinen Sohn füttere oder mit ihm spiele, dann gehe ich ganz in dem auf und alles andere wird in Wahrheit gänzlich unwichtig und unwesentlich.

Zu allen Beiträgen der Serie SW-Corona Einblicke.